Typische Beschwerdebilder

In diesem Artikel zeigen wir dir zu welchen zwei typischen Beschwerdebilder es aufgrund der täglichen Arbeit am Schreibtisch kommen kann und was du dagegen tun kannst.

Die meisten von uns interessieren sich für Ergonomie erst dann, wenn
bei ihnen z.B. Rückenbeschwerden auftreten. Dann erkennen wir plötzlich, wie
wichtig Ergonomie für unsere Leistungsfähigkeit und unser
Wohlbefinden ist.

Aus der Definition der IEA ergibt sich, dass das Wohlbefinden des Menschen in der Ergonomie die zentrale Rolle spielt. Für viele Menschen gehören allerdings Verspannungen oder sogar Schmerzen bereits zum normalen Arbeitsalltag. Wie sieht es bei dir aus? Merkest du auch, wie sich dein Körper immer mehr an die einseitige Haltung am Arbeitsplatz anpasst?

Kennst du diese Haltung?

Unser Körper ist ein sehr intelligenter, ökonomisch denkender und anpassungsfähiger Organismus. Er versucht die von uns geforderte Leistung mit geringst möglichem Aufwand und so energieeffizient wie möglich zu erbringen. Nach dem Prinzip „Form Follows Function“ passt er sich an unsere Alltagssituation und deren Aufgaben an. Wenn du dich den ganzen Tag in einer sitzenden, leicht nach vorne gebeugter Haltung befindest, versucht dein Körper diese Position für ihn so „angenehm“ wie möglich zu gestalten. Das führt dazu, dass sich sowohl die Wirbelsäule als auch Muskeln, Gelenke, Sehnen und Bänder auf diese Position einstellen. Die Wirbelsäule wird steifer, Muskeln verkürzen oder verlieren an Kraft und unsere Gelenke werden unbeweglicher.

Durch diese Anpassung entsteht im Körper an verschiedenen Stellen ein Ungleichgewicht. Dies kann sich negativ auf unsere Gesundheit auswirken und macht sich häufig in Form von Verspannungen oder Schmerzen bemerkbar. Wir zeigen dir die häufigsten Beschwerdebilder und was du dagegen unternehmen kannst.

„Crossed Syndroms“

Bereits 1979 stellte Dr. Vladimir Janda seine „crossed syndroms“ vor und beschrieb damit eine mögliche Ursache für zwei der häufigsten Beschwerdebilder am Arbeitsplatz: Schulter-Nacken-Verspannungen und Schmerzen im unteren Rücken. Der funktionelle Hintergrund Dr. Jandas Theorie basiert auf dem Gleichgewicht. Damit unser Körper eine gesunde Körperhaltung einnimmt, gibt es Muskeln auf unserer Vorder- und Rückseite, die kräftemäßig ausgeglichen sein sollten. Stell dir ein Gerüst vor, welches von zwei Seiten mit Seilen stabil gehalten wird. Ist der Zug auf einer Seite stärker, steht das Gerüst schief und wird dadurch instabil. Das passiert zum Beispiel, wenn du mit gekrümmten Rücken am Schreibtisch sitzt. Die Brustmuskulatur zieht stärker und das Gerüst Wirbelsäule wird instabil. Gleichzeitig sind die Rückenmuskeln deutlich mehr Spannung ausgesetzt, was dann zu Verspannungen führt.

Im Folgenden wollen wir uns das „upper crossed syndrom“ und das „lower crossed syndrom“ etwas genauer anschauen.

Schmerzen in Schulter, Nacken und oberem Rücken

Das „upper crossed syndrom“ beschreibt ein muskuläres Ungleichgewicht im Hals- und Oberkörperbereich. Sinnbildlich kann man hier auch vom „Schildkrötenbuckel“ sprechen. Der Halsbeuger ist im Vergleich zum Halsstrecker (Nackenmuskulatur) deutlich schwächer, genauso verhält es sich mit den Rückenmuskeln zwischen den Schulterblättern, welche im Vergleich zu den Brustmuskeln deutlich schwächer sind. Diese ungünstigen Verhältnisse entstehen hauptsächlich durch einseitige Belastungen im Alltag. Wir heben den Kopf immer gegen die Schwerkraft (beanspruchter Halsstrecker) und arbeiten viel vor dem Körper (Schreibtisch, Essen, Handy, etc.), was zu einer beanspruchten Brustmuskulatur führt. Am Homeoffice-Arbeitsplatz führt ein zu niedriger oder zu hoch eingestellter Tisch oder Stuhl zu einer schlechten Haltung des Oberkörpers und auf Dauer zum „upper crossed syndrom“.

Um diese Dysbalance zu verbessern oder gar nicht erst entstehen zu lassen, stelle deinen Tisch richtig ein, bewege dich so vielseitig wie möglich und schaue bei unseren AUSGLEICHSÜBUNGEN vorbei.

Schmerzen in Hüfte und unterem Rücken

Beim „lower crossed syndrom“ liegt das muskuläre Ungleichgewicht im Bauch- und Hüftbereich. Versuche dir als Vergleich eine Ente mit ihrem ausfallenden Gesäß vorzustellen. Die Bauchmuskeln sind deutlich schwächer als der Rückenstrecker (Muskel am unteren Rücken), gleichzeitig besitzt der Hüftbeuger deutlich mehr Spannung als die Gesäßmuskulatur. Auch hier entsteht das ungleiche Verhältnis durch einseitige Belastungen im Alltag. Wenn du lange in einer sitzenden Position verweilst, ohne dich zwischendurch zu bewegen, erhöht das die Spannung deines Hüftbeugers bei gleichzeitiger Schwächung deiner Gesäßmuskulatur.

Um diese Dysbalance zu verbessern oder gar nicht erst entstehen zu lassen, stelle deinen Stuhl richtig ein, bewege dich so vielseitig wie möglich und schaue bei unseren AUSGLEICHSÜBUNGEN vorbei.

Literaturnachweis

  1. Kapandji, Physiology of Joints, Vol. 3, http://www.jandaapproach.com/